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Die Nr. 1

Pioneer DEX-P99RS

Ein so auf guten Klang getrimmtes Autoradio wie Pioneers DEX-P99RS erscheint nicht alle Tage. Was der Shooting-Star alles draufhat, zeigt der Test.

Das Pioneer DEX-P99RS (1000 Euro) hat in der High-End- und Wettbewerbsszene für Wirbel gesorgt. Ein 1-DIN-Autoradio, das in puncto Ausstattung und DSP-Power an fast unbezahlbare High-End-
Schlachtschiffe wie Alpines F#1 Status oder die ODR-Klangmaschine Pioneer RS-D7R heranreichen soll – die Gerüchteküche brodelte, die Pioneer-Ingenieure köchelten derweil weiter an ihrem High-End-Menü. Herausgekommen ist ein Gourmet-Teil, das Kenner und Genießer verzückt.


Traumhafte Verarbeitung

Als Vorspeise gibt’s zunächst die am einfachsten als unendlich hochwertig zu beschreibende Optik: Die Bedienelemente sind auf das Nötigste reduziert, außer den beiden satt in den Fingern liegenden Drehknöpfen haben sich nur fünf kleine Knöpfchen ihre Daseinsberechtigung auf der Frontplatte des 99ers erkämpft. Wo andere Radios Stationstasten besitzen, findet man beim Pioneer eine dunkel eloxierte, gebürstete Metallleiste; Senderspeicher gibt’s natürlich trotzdem.

Zur perfekten Abschirmung besteht das gesamte Gehäuse des DEX-P 99 RS aus reinem Kupfer – das sieht man im eingebauten Zustand zwar nicht mehr, doch dem echten High-End-Fan reicht schon das Wissen, um den Puls in die Höhe zu treiben.

Die automatisch herunterfahrbare Bedienfront ist aus einer dicken Plexiglasscheibe gefertigt, die dem Radio eine faszinierende Tiefenwirkung verleiht. Das weiß beleuchtete OEL-Display ist nicht übermäßig groß, dafür aber fein auflösend und dank der daraus resultierenden, knackigen Schärfe und der guten Durchleuchtung super ablesbar. Wie es sich für ein echtes High-End-Radio gehört, lässt sich das Display während der Hör-Session auch ausschalten.

Die Tasten – auch wenn es nur so wenige sind – lassen sich in jeder beliebigen Farbe des RGB-Spektrums hinterleuchten, so dass sie immer zur Fahrzeugbeleuchtung passen. Wer die Tasten ganz meiden möchte, kann auch zur beiliegenden und vorbildlich verarbeiteten Lenkradfernbedienung greifen – ein Feature, mit dem Pioneer schon 1988 die Jünger des damals unglaubliche 1800 Mark teuren Ur-P99 namens DEX-P 99 glücklich machte.

Ganz und gar nicht mit dem Ur-P99 vergleichbar und auch im High-End-Sektor bis dato selten ist die Vielfalt der Medien, mit denen das DEX-P 99 RS klarkommt: Außer normalen Audio-CDs liest das 99er auch gebrannte CD-Rs mit MP3s, WMAs, AACs oder WAVs. Diese Formate verdaut das Pioneer auch von USB-Sticks oder portablen Festplatten, die am hinten herausgeführten USB-Port angedockt werden können.

Modernes High-End
Dass diese Datenformate keineswegs im Widerspruch zum High-End-Gedanken stehen, zeigt der Boom von Netzwerk-Playern, den der Home-HiFi-Markt aktuell erlebt. Denn was auf einer CD an Daten gespeichert ist, lässt sich ja verlustfrei rippen und danach ohne Klangeinbußen auch auf USB-Speichermedien ablegen. So umgeht man die Mechanik des CD-Laufwerks, wobei der Klang dieser Formate dem der guten alten CD nicht nachsteht.

Dennoch haben die Pioneer-Ingenieure dem CD-Laufwerk des DEX-P 99 RS besondere Aufmerksamkeit geschenkt: Statt die 16- Bit-CD-Daten wie üblich über nur einen D/A-Wandler zu schicken, arbeiten im 99er gleich vier 24-Bit-Wandler. Zudem beherbergt das Radio einen eigenen Taktgeber, der es ermöglicht, lediglich den Daten-Stream vom CD-Laufwerk auszulesen, den Takt aber im Gerät selbst zu erzeugen. Eine Technik, die auch im Home-High-End beliebt ist und Jitter-Störungen und Laufzeitfehler verhindern soll.

Zeitgemäße iPod-Steuerung
Ganz zeitgemäß nimmt das DEX-P 99 RS auch Kontakt zu iPods und iPhones auf. Während man dafür bei älteren Pioneer-Geräten eine Blackbox brauchte, reicht beim 99er das Kabel CD-IU 50 (rund 20 Euro), das man direkt am USB-Port des Radios anstöpselt.

Ganz klassisch analog finden externe Zuspieler über eine kleine Front-Aux-In-Klinkenbuchse im Bedienteil Eingang ins DEX-P 99 RS. Auch die übrige Erweiterbarkeit kann sich sehen lassen: Der Pioneer-eigene IP-Bus erlaubt den Anschluss vielerlei Peripherie-Geräte; am interessantesten ist hier sicher die Blue­tooth-Box CD-BT 200 zum Freisprechen im Auto.

Alles da für Dreiwege-Vollaktiv
Für den Klangjünger noch interessanter als all die Erweiterungsmöglichkeiten sind allerdings die harten HiFi-Qualitäten. Und von denen bietet das neue 99er mehr als genug: Angefangen auf der Geräterückseite findet man vier Vor­verstärker-Ausgangspaare an sehr hochwertigen Kabeln, mit denen man dank High-, Mid- und Low-Zuteilung ein vollaktives Drei­wege-System inklusive Subwoofer dirigieren kann – High-End-Herz, was willst du mehr?

Lautsprecher-Ausgänge sucht man vergebens, denn interne Endstufen haben sich die Entwickler beim DEX-P 99 RS gespart. Auch das freut die Sucher des perfekten Klangs, denn die internen Verstärker sondern eigentlich nur unnötig Hitze ab, stören im Zweifel sogar das Musiksignal und werden in dieser Geräteklasse ohnehin nie genutzt. Weniger ist eben mehr.

Der Rundum-glücklich-DSP
In den Audio-Menüs des 99ers findet man alles, was man zum perfekten Musikhören im Auto braucht: Equalizer, Laufzeitkorrektur und Aktivweichen. Beim EQ stehen dem Hobby-Tonmeister 31 grafische Bänder zur Verfügung, deren Einsatzfrequenzen (siehe Kasten rechte Seite) praxistauglich gewählt sind. Der Pegel lässt sich von +12 bis -12 dB justieren.

Die digitale Laufzeitkorrektur wird kanalgetrennt eingestellt und lässt sich sehr genau in 0,7-cm-Schritten justieren. Equalizer und Laufzeitkorrektur können automatisiert mit einem beiliegenden Mikrofon eingemessen werden – ein echter Soundtüftler lässt sich diese Arbeit aber nur ungern aus der Hand nehmen.

Stattdessen beschäftigt sich der Klang-Gourmet viel lieber mit der enorm flexiblen Aktivweiche des Pioneer-Radios. Hier kann er alles einstellen, was man sich überhaupt nur vorstellen kann. Die wählbare Flankensteilheit reicht von moderaten 6 dB bis zu extrasteilen 48 dB pro Oktave. Alle Kanäle lassen sich mit einem Bandpassfilter nach oben und unten begrenzen, die Einsatzfrequenzen sind auch hier alltagstauglich.

Über die Weiche kann der User die ausgegebenen Kanäle auch im Pegel einander anpassen. Das ist beim Aufbau einer Vollaktiv-An­lage ausgesprochen nützlich, weil man hier nach einer „analogen“ Grundeinstellung sehr viel genauer als über die Potenziometer der Endstufen vorgehen kann.

Klangliche Glanzleistung
Im Soundcheck ließen wir das DEX-P 99 RS an feinster Abhör-Elektronik gegen die Konkurrenz antreten. Konkurrenz heißt bei einem solchen Kandidaten, dass es sich mit der absoluten CD-Elite anlegen muss.
Im Starterfeld: Die 45-Punkte-Referenz Alpine CDA-9887 R und das 50-Punkte-CD-Genie Clarion. HX-D2. Die Referenzen unter 45 Punkten spielte das DEX-P 99 RS ganz schnell an die Wand: Das Klangbild stand beim Pioneer viel stabiler und strukturierter, die Musik wirkte aufgeräumter und exakter als bei den Radios der 40- bis 44-Punkte-Liga.

Alpines 9887er mit 45 Klangpunkten setzte sich schon besser zur Wehr und zeigte vor allem im Bass- und Mittenbereich, dass auch ein halb so teures Autoradio fein musizieren kann. Im Hochton war ihm das P 99 jedoch hörbar überlegen und verlieh der Musik einen feineren, zarteren und wohligeren Schmelz.

Zeit für den Endgegner: Das HX-D2 – eine pure CD-Maschine mit dem Fokus auf perfekter Musikwiedergabe. Und siehe da: Je nach Musikstück musste man schon zweimal hinhören, um konkret sagen zu können, welches Radio besser klingt. „Anders“ wäre hier wohl der richtigere Ausdruck, denn die Charaktere der beiden High-End-Radios unterscheiden sich: Das Pioneer spielt enorm akkurat und präzise, sauber gestaffelt und zu hundert Prozent „korrekt“.

Clarions HX-D2 hingegen gab der Musik vor allem im Hochton eine kleine, aber feine Extraportion Wärme und Funkeln, die dieses Radio so besonders macht.

Nach unzähligem Umschalten zwischen den beiden Radios bekam das DEX-P 99 RS schließlich überaus gute 49 Klangpunkte. Das sind Sphären, die sonst nur Radios erreichen, die noch mehr kosten – Respekt! Die Radio-Testfahrt absolvierte das 99er ebenso souverän und ließ dank sattem Sound und störfreier Fahrt auch hier mit sehr guten 38 Punkten viele Konkurrenten hinter sich. Mit dem Pioneer DEX-P 99 RS hat die High-End-Gemeinde wieder ein Radio, für das es sich lohnt, tiefer in die Tasche zu greifen. Endlich!



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